Warum nennen wir es eigentlich „Auszeit“?

Ein paar Tage weg. Wellness, Berge, Therme oder einfach einmal raus aus dem Alltag. Wir sprechen dabei gerne von einer „Auszeit“. Aber was bedeutet dieses Wort eigentlich? Wovon nehmen wir uns eine Auszeit – und ist es vielleicht sogar ein schlechtes Zeichen, wenn wir sie brauchen?

Bei Wellturana verwenden wir das Wort ziemlich oft: Wellnessauszeit, kleine Auszeit, Auszeit zu zweit. Es passt zu vielen unserer Reisen und zu dem Gefühl, das wir damit verbinden. Und trotzdem bin ich irgendwann über genau dieses Wort gestolpert. Denn eigentlich steckt darin ein interessanter Gedanke: Es gibt unsere normale Zeit – den Alltag mit Arbeit, Verpflichtungen und Terminen – und daneben offenbar eine andere Zeit, in der wir für eine Weile aus all dem heraustreten.

Aber warum wollen wir überhaupt raus? Ist eine Auszeit vielleicht eine kleine Flucht vor dem eigenen Leben? Sollten wir lieber ganz nüchtern von einem „Kurzurlaub“ sprechen? Oder gehört das Innehalten genauso zum Leben wie das Weitermachen?

Meine Tante

Vor einiger Zeit habe ich mich mit meiner Tante über Wellturana unterhalten. Sie ist inzwischen in Rente und viel unterwegs, häufig gemeinsam mit einer Freundin und einem kleinen Campingmobil irgendwo in Europa. Sie hört regelmäßig unseren Wellturana-Podcast und sagte mir, wenn sie irgendwann einmal über einen Reiseveranstalter buchen würde, dann bei uns.

Nur mit einer Sache konnte sie nicht besonders viel anfangen: mit dem Gedanken, eine „Auszeit“ zu planen. Das sei eigentlich nicht ihre Art, meinte sie. Wahrscheinlich betrachtet sie ihr Leben als so wertvolle Zeit, dass sie keine Auszeit davon braucht.

Das ist mir im Kopf geblieben. Natürlich könnte man zunächst sagen: leicht gesagt, wenn man in Rente ist. Keine Urlaubstage mehr beantragen, kein Schreibtisch, an den man am Montagmorgen zurückkehren muss. Wenn das Wetter passt und die Freundin Zeit hat, kann das Campingmobil gepackt werden. Doch vielleicht steckt in ihrer Aussage trotzdem mehr als nur die Freiheit des Ruhestands.

Denn wäre es nicht eigentlich ein ziemlich schönes Ziel, ein Leben zu führen, aus dem wir nicht ständig eine Auszeit brauchen?

Wovor wollen wir eigentlich weg?

„Ich muss dringend mal raus“, „Ich bin urlaubsreif“ oder „Ich brauche eine Auszeit“ – solche Sätze sagen wir ganz selbstverständlich, und jeder weiß sofort, was damit gemeint ist. Nimmt man sie jedoch einmal wörtlich, werden sie plötzlich interessant. Wenn ich dringend „raus“ muss, wo will ich dann eigentlich raus? Wenn ich eine Pause brauche, wovon brauche ich sie? Und wenn ich mich monatelang auf die wenigen Wochen freue, in denen mein normales Leben gerade nicht stattfindet, sollte ich dann vielleicht nicht nur über meinen nächsten Urlaub nachdenken?

Manchmal vermutlich schon. Eine Reise kann schließlich nicht lösen, was nach der Rückkehr unverändert auf uns wartet. Ein Wellnesswochenende repariert keinen Alltag, der dauerhaft nicht mehr zu uns passt, und eine Massage beseitigt keine grundlegende Überforderung. Reisen kann Abstand schaffen und guttun, aber es sollte nicht mit dem Versprechen überfrachtet werden, Probleme zu lösen, deren Ursachen ganz woanders liegen.

Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Als mein Kopf 2024 irgendwann sagte: Es reicht

2024 bekam das Wort „Auszeit“ für mich eine ganz andere Bedeutung. Ich hatte sie nicht geplant und mir auch nicht überlegt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, ein bisschen kürzerzutreten und etwas für mich zu tun.

Mein Kopf sagte irgendwann sehr deutlich: Es reicht.

Ich musste eine Auszeit von der Arbeit nehmen. Plötzlich ging es nicht um Wellness, Urlaub oder ein paar schöne Tage irgendwo anders, sondern darum, langsamer zu werden, Gedanken zu sortieren und zu verstehen, was Stress mit uns macht und warum wir manchmal erst reagieren, wenn die eigenen Grenzen längst überschritten sind.

In dieser Zeit entstand mein Buch „Innere Stärke finden“. Darin beschäftigte ich mich mit Stress und seinen Auswirkungen, mit Resilienz, Selbstfürsorge und Selbstreflexion – und vor allem mit der Frage, wie Entschleunigung in einem Leben funktionieren kann, das uns permanent dazu auffordert, schneller zu werden.

„Es gibt mehr im Leben als seine Geschwindigkeit.“
Mahatma Gandhi zugeschrieben

Dieser Satz steht auf der Rückseite meines Buches. Damals passte er zu dem, was mich beschäftigte – und heute passt er für mich auch erstaunlich gut zu der Frage, was eine Auszeit eigentlich sein kann.

Wobei es zwei sehr unterschiedliche Arten von Auszeit gibt: Die eine nehmen wir uns freiwillig. Die andere zwingt uns irgendwann, stehen zu bleiben.

Müssen wir wirklich erst erschöpft sein?

Vielleicht liegt genau hier ein Problem. Wir rechtfertigen Ruhe erstaunlich häufig mit vorheriger Anstrengung. Nach einer stressigen Arbeitsphase haben wir uns das Wellnesswochenende „verdient“, nach einem großen Projekt „gönnen“ wir uns ein paar Tage, und nach Wochen voller Termine „dürfen“ wir endlich abschalten.

Doch warum eigentlich erst dann? Warum muss Erholung verdient werden?

Man muss nicht erschöpft sein, um Ruhe genießen zu dürfen, nicht gestresst sein, um drei Tage in eine Therme zu fahren, und auch nicht kurz vor der eigenen Belastungsgrenze stehen, um für ein Wochenende das Handy wegzulegen, lange zu frühstücken und anschließend nichts vorzuhaben. Vielleicht wäre es sogar klüger, sich solche Zeiten regelmäßig zu nehmen, bevor der Kopf irgendwann selbst entscheidet, dass jetzt Schluss ist.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Reise gleich zur notwendigen Regenerationsmaßnahme erklärt werden muss. Manchmal verreisen wir auch einfach, weil wir Lust darauf haben. Weil wir neugierig auf einen Ort sind, gutes Essen genießen möchten, gerne wandern oder zwei Tage im Bademantel verbringen wollen. Auch Erholung muss nicht immer einen tieferen Zweck erfüllen.

Ist eine Auszeit also Flucht?

Mohnblume

Sie kann es sein. Wenn wir permanent nur noch auf den nächsten Urlaub warten, weil wir unseren Alltag kaum ertragen, lohnt sich vermutlich die Frage, ob wir wirklich mehr Urlaub brauchen – oder ob sich etwas an diesem Alltag verändern sollte.

Daraus folgt aber nicht, dass jede Auszeit eine Flucht sein muss. Abstand kann genauso gut bedeuten, die Perspektive zu wechseln. Beim Wandern kennen wir das ganz selbstverständlich: Manchmal bleiben wir stehen, drehen uns um und schauen auf den zurückgelegten Weg. Nicht weil dieser Weg falsch war, sondern weil wir aus ein wenig Entfernung Dinge erkennen können, die wir mittendrin nicht gesehen haben.

Warum sollte das im übrigen Leben anders sein? Vielleicht verbringen wir drei Tage in den Bergen und merken, wie sehr uns Bewegung gefehlt hat. Oder wir sitzen morgens im Bademantel beim Frühstück und führen mit unserem Partner zum ersten Mal seit Wochen ein Gespräch, das nicht nach fünf Minuten unterbrochen wird. Vielleicht schlafen wir einfach lange, essen gut und denken erstaunlich wenig nach.

Auch das darf reichen.

Vielleicht sollten wir einfach „Kurzurlaub“ sagen

Das wäre zumindest unkomplizierter: zwei, drei oder vier Nächte weg – Kurzurlaub. Fertig. Inzwischen glaube ich allerdings, dass „Kurzurlaub“ und „Auszeit“ gar nicht dasselbe beschreiben.

Kurzurlaub sagt etwas darüber aus, wie lange wir verreisen. Auszeit sagt etwas darüber aus, was diese Zeit für uns bedeutet.

Eine Auszeit braucht deshalb weder vier Sterne noch einen großen Spa-Bereich. Sie kann ein Wochenende mit dem Campingmobil sein, ein paar Tage am Meer, eine Wanderung in den Bergen, ein Thermenbesuch oder ein Buch, für das zu Hause angeblich nie Zeit ist. Für den einen bedeutet sie Ruhe, für den anderen Bewegung, für den nächsten Genuss oder einfach Zeit mit einem Menschen, der im Alltag häufig zu kurz kommt.

Umgekehrt werden drei Nächte in einem Wellnesshotel nicht automatisch zur Auszeit, wenn wir beim Frühstück Geschäftsmails beantworten, am Pool durch Nachrichten scrollen und zwischen Sauna und Abendessen gedanklich schon die To-do-Liste für Montag schreiben.

Vielleicht ist Auszeit deshalb gar keine Reiseform, sondern eher eine Haltung: Für eine Weile muss ich gerade nirgendwo anders sein.

Nochmal zu meiner Tante

Das Leben als Auszeit? Oder keine Auszeit nötig?

Das wäre tatsächlich die schönste Konsequenz aus all diesen Überlegungen. Gemeint ist damit nicht ein Leben ohne Arbeit, Verpflichtungen oder schwierige Phasen – das wäre für die meisten von uns unrealistisch. Aber vielleicht eines, in dem Erholung, Neugier, Reisen, Nichtstun und Zeit für andere Menschen nicht ausschließlich in jene wenigen Tage verbannt werden, die wir „Auszeit“ nennen.

Ein Leben also, aus dem wir nicht ständig fliehen möchten und in dem wir uns trotzdem erlauben, gelegentlich die Tasche zu packen. Denn eine freiwillige Auszeit und ein erfüllter Alltag sind keine Gegensätze. Vielleicht ergänzen sie sich sogar: Wer seinen Alltag grundsätzlich gerne lebt, darf ihn trotzdem hin und wieder unterbrechen.

Meine Erfahrung aus dem Jahr 2024 hat mir dabei noch etwas anderes gezeigt: Es macht einen Unterschied, ob wir selbst hin und wieder auf Pause drücken oder ob irgendwann etwas in uns diese Entscheidung übernimmt. Eine Auszeit muss deshalb nicht erst die Notbremse sein. Sie darf auch einfach eine bewusste Unterbrechung sein – lange bevor wir sie dringend brauchen.

Und was hat das mit Wellturana zu tun?

Sehr viel. Denn natürlich können wir niemandem versprechen, dass drei Tage Wellness das Leben verändern. Das wäre auch gar nicht unser Anspruch. Wir können aber Reisen zusammenstellen, die Raum für etwas schaffen, das im Alltag manchmal zu kurz kommt: Ruhe, Genuss, Bewegung, gemeinsame Zeit – oder einfach ein paar Tage ohne das übliche Programm.

Ob daraus tatsächlich eine „Auszeit“ wird, entscheidet am Ende nicht das Hotel, die Größe des Spa-Bereichs oder die Zahl der Übernachtungen. Das entscheidet jeder für sich selbst. Für den einen sind es drei Tage in einer Therme, für den anderen eine Woche mit Wandern und Wellness und für meine Tante vielleicht die nächste Fahrt mit dem kleinen Campingmobil irgendwohin nach Europa.

Ein Ortswechsel kann dabei helfen, gewohnte Routinen zu unterbrechen. Statt des üblichen Arbeitswegs liegt plötzlich ein Waldweg vor uns, vom Frühstückstisch sehen wir vielleicht Berge statt des Wäschekorbs, und der Terminkalender bleibt für ein paar Tage geschlossen. Im besten Fall auch der Laptop.

Das löst keine Probleme, die nach der Rückkehr weiterhin auf uns warten. Aber manchmal verändert ein wenig Abstand unseren Blick darauf. Und manchmal braucht es überhaupt keine große Erkenntnis. Vielleicht kommen wir einfach ausgeschlafen, gut gegessen und mit dem überraschenden Gefühl nach Hause, dass drei Tage ziemlich lang sein können, wenn sie nicht vollständig durchgetaktet sind.

Ich finde den Begriff „Auszeit“ gut. Nicht als Flucht aus einem Leben, das man eigentlich nicht führen möchte, und auch nicht als Reparaturmaßnahme, wenn längst alles zu viel geworden ist. Sondern als bewusste Unterbrechung, die wir uns erlauben dürfen, ohne sie erst verdienen zu müssen.

Sehen wir eine „Auszeit“ doch einfach als Zeit, die wir für eine Weile komplett selbst bestimmen.

Und falls du trotzdem oder gerade deswegen eine „Auszeit“ verbringen möchtest, findest du hier passende Angebote von Wellturana: Kurz mal weg – Wellnesswochenende · ein bisschen länger, bitte – Wellnessurlaub · Fastenprogramme · Ayurveda · Thermenreisen · mit Aktivität! – Aktivreisen · Genuss · Zeit zu zweit.



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